Grenzen erkennen und respektieren


Ich glaube, wenn wir an den für uns perfekten Hund denken, sehen wir einen treuen Begleiter, der mit uns durch dick und dünn geht, der uns bedingungslos folgt, der unsere Kinder und deren Freunde liebt, der uns überall hin begleiten kann, aber auch genauso gut alleine Zuhause bleibt ohne die ganze Bude auseinander zu nehmen, einen Hund, der gerne kuschelt, aber auch genauso sehr unabhängig ist, wir wünschen uns einen Hund, der mit anderen Hunden gut kann, der toll an der Leine geht, der aber auch genauso gut verlässlich ohne diese laufen kann und natürlich jederzeit auf Rückruf wieder zu uns kommt. Kurzum: wir wünschen uns einen Hund, der perfekt in unser Leben passt.

Doch was ist eigentlich, wenn sich nach den ersten Wochen zeigt, dass der Welpe gar nicht so cool ist, wie beim Besuch der Züchterin oder der Hund aus dem Tierschutz doch mit viel mehr Dingen ein Problem zu haben scheint als vermutet ? Was machen wir dann ? Zunächst einmal versuchen wir natürlich unser Bestes, indem wir den Hund mit ganz viel Engagement, Liebe, Zeit, Geduld und einer guten Hundeschule versuchen zu erziehen, zu festigen, ihm den richtigen Weg zu weisen. 

Es wird besser, er gewöhnt sich an unser Leben, unsere Beziehung zueinander wächst und somit auch das Vertrauen, doch so ganz selbstverständlich läuft es immer noch nicht. Glaubt mir, ich weiß absolut wovon ich hier rede. Die ersten Jahre habe ich unermüdlich versucht aus Majvi eine genauso coole Socke zu machen wie Lycka es ist, sie zu einem genauso selbstsicheren Hund zu erziehen, wie es auch mein Erster ist, aber es klappte nicht. Niemals könnte ich mit Majvi als Besuchshund ins Pflegeheim gehen, so wie ich es mit Lycka mache, für alles Neue benötigt Majvi mehr Zeit es anzunehmen und auch wenn es besser und besser wird, sie wird wohl nie ein so selbstsicherer Hund wie Lycka, weil es schlichtweg nicht ihr Charakter ist. Lycka hingegen wird nie so sportlich sein wie Majvi, sie wird einen gemütlichen Gartentag einer schönen Wanderung immer vorziehen, sie wird mir immer das Gefühl geben, dass sie eigentlich grad viel lieber eingekuschelt im Bett liegen würde, als mit mir in der Stadt unterwegs, einfach weil sie Lycka ist und nicht Majvi.

Ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass ich es mir ab und zu nicht auch mal anders gewünscht oder zumindest vorgestellt habe und sicherlich könnte ich durch Training und Disziplin noch den ein oder anderen Fortschritt erreichen ... oder aber, ich akzeptiere sie, nehme sie an, mit all ihren Ecken und Kanten, genau wie sie auch mich angenommen haben. Denn im Gegensatz zu mir, die sich ihre Hunde ausgesucht hat, hatten Lycka und Majvi diesbezüglich kein Mitspracherecht, was also ,wenn ich ihre Erwartungen ebenso wenig erfülle ? 

Glücklicher weise denken Hunde nicht so viel wie wir Menschen. Überhaupt sind sie viel weniger verkopft, machen sich keine Sorgen und fragen sich nicht, ob sie es woanders besser gehabt hätten. Sie sind glücklich im Hier und Jetzt, sind zufrieden an unserer Seite, weil sie wissen, dass wir Alles geben, sie spüren unsere Liebe und mehr gibt es da für sie nicht zu wissen. 

Ich glaube, wir würden uns viel Frust im Alltag ersparen, wenn wir im Miteinander mit unseren Hunden anfangen würden mehr wie sie zu sein und die Grenzen unseres Vierbeiners zu respektieren anstatt permanent zu versuchen an ihnen zu arbeiten und zu verändern. Damit möchte ich nicht sagen, dass man ab sofort nicht mehr mit seinem Hund trainieren sollte oder gar aufhören sollte seinen Hund im Alltag zu unterstützen. Vielmehr meine ich damit, dass man es respektieren sollte, wenn der Hund nicht von fremden Menschen gestreichelt werden möchte anstatt es akribisch mit ihm zu üben, ihm gar aufzuzwingen. Es gibt nunmal einfach Hunde, die wenig Lust auf fremde Menschen haben. Der Hund ist in den meisten Fällen absolut fein damit. Es ist der Mensch, der es sich anders gewünscht hätte. 

Wenn wir uns also einfach ein bisschen öfter die Fragen stellen, ob das was wir grad von unserem Hund wollen auch genauso gut für ihn und seine Entwicklung ist oder nur ein Wunsch, den wir hegen und dann auch eine ehrliche Antwort darauf respektieren, könnte unser Miteinander mit den Vierbeinern vielleicht ein bisschen entspannter in gewissen Situationen sein. 

Oder was meinst du ?