Wie alles begann


Was für eine verrückte Zeit es war, in der wir Lycka bekamen. Die Welt wurde von dem Coronavirus bedroht, nichts war mehr so wie es einmal war, so Vieles änderte sich zu dem Zeitpunkt, wir befanden uns im Wandel und wussten gleichzeitig nicht wohin diese Reise gehen würde.
Anfang des Jahres 2020 verloren wir unseren treuen Familienhund Henry. Mit ihm ging auch ein Stück Kindheit unserer Kinder.  Er hat unsere Kinder beim aufwachsen begleitet, war stets an unserer Seite und war ein Familienhund wie er im Buche stand: loyal, anpassungsfähig, liebevoll, nervenstark, freundlich, genügsam, lustig, ... ich könnte ewig so weiter machen.

Als er starb wurde es trotz unserer Kinder plötzlich sehr ruhig im Haus. Sein Lieblignsplatz war leer und wir vermissten ihn sehr. Zu Henry`s Lebzeiten hatte ich mit einer dänischen Züchterin bereits Kontakt gehabt, denn es war unser grosser Wunsch einen zweiten Hund zu haben und da wir sehr grenznah wohnen führte meine damalige Suche nach Dänemark.
Ich schickte ihr eine E-Mail in der ich ihr von unserem Verlust schrieb mit der Vorstellung evtl in ein paar Monaten einen Hund von ihr zu bekommen. Die Antwort war allerdings total überraschend und freudig zugleich, denn sie berichtete von einem Wurf, den sie gerade Zuhause hatte von dem zwei Hündinnen noch ein Zuhause suchten. Bereits eine Woche später saßen wir im Auto in Richtung Dänemark. Welpen gucken!
Wir wussten noch immer nicht, ob es der richtige Zeitpunkt war einen neuen Hund nach Hause zu holen, denn die Trauer war immer noch sehr gross. Aber wann wäre der richtige Zeitpunkt ? Nach einem halben Jahr ?  Nach einem Jahr ? Nach 5 Jahren ?
Wir entschieden also völlig unvoreingenommen an die Sache ranzugehen und uns einfach erstmal die Welpen anzuschauen, die Züchterin kennnezulernen und dann im Familienrat darüber zu entscheiden.

Tja, und dann kam Lycka... das wohl süßeste Fellknäuel mit dem grössten Herzen das wir in der letzten Zeit gesehen hatten.
Wir waren uns einig: Sie ist es !

Ein paar Wochen mussten wir jedoch noch warten, denn die Welpen waren noch nicht alt genug. Die Tage fühlten sich wie Wochen an und die Situation mit der Pandemie spitzte sich immer mehr und mehr zu. Irgendwann hieß es, dass die Grezen geschlossen werden würden. Wir bekamen grosse Angst, dass wir unser Hundebaby vielleicht gar nicht bekommen könnten und dann, ich erinnere mich, als sei es Gestern geschehen, hörte ich in den Nachrichten, dass schon am nächsten Tag die Grenze von Dänemark nach Deutschland geschlossen werden würde. Dänemark hatte zu dem Zeitpunkt schon längst seine Grenzen geschlossen und wir hatten bereits mit der Züchterin besprochen, dass sie uns Lycka netterweise bringen würde, da wir als Deutsche nicht mehr nach Dänemark einreisen durften. Doch dazu sollte es nun gar nicht mehr kommen. Wir hatten nur noch wenige Stunden Zeit eine Lösung zu finden und so riefen wir in unserer Verzweiflung die Züchterin an diese zeigte sich so entgegenkommend, wie wir es niemals für möglich gehalten hätten.

"Ich bringe euch Lycka heute Abend hinter die Grenze. Ich fahre jetzt los"
waren ihre Worte und so machten auch wir uns auf den Weg. Ich möchte hier betonen, dass Lycka`s Züchterin Mitglied im dänischen Kennel Club ist und eine angesehene und sehr vertrauenswürdige Person ist. Einen Welpen an der deutsch-dänischen Grenze in einer Nacht und Nebelaktion zu übergeben war auch für sie absolut neu. Bis heute sind wir ihr dankbar, dass sie sich darauf eingelassen hat.

Lycka ist schwedisch und bedeutet "Glück" ... in dem Moment wo ich sie in meinen Armen hielt wusste ich, dass kein Name dieser Welt besser zu unserem kleinen Hundemädchen passen würde als dieser. 

Es folgte der erste Lockdown, Homeschooling, Homeoffice, Arbeitsverbot ( ich arbeitete derzeit noch als Gesangslehrerin und durfte nicht mehr unterrichten ) und jede Menge Zeit mit unserem Hundekind. Lycka kam genau zur richtigen Zeit um unsere Herzen zu heilen, die Freizeit zu versüßen und uns auf neuen Wegen zu begleiten.

Das ist eine Geschichte, die ich wahrscheinlich später noch meinen Enkeln erzählen werde. Eine Erinnerung, die so fest in meinem Kopf und Herzen verankert ist wie kaum eine Andere. Die Geschichte eines Hundes, der von Anfang an einen ganz besonderen Platz in unserer Familie gefunden hat. 

Mit Lycka`s Einzug beschäftigte ich mich immer mehr mit dem Thema "Hundetraining" und entdeckte auch meine Liebe zur Fotografie wieder. Früher arbeitete ich sogar in einem Fotoatelier. Es brauchte aber lange, bis ich meinen Weg gefunden habe, denn ein Neuanfang ist auch immer ungewiss, doch ich bin bereit und freue mich auf Alles was kommt. Wer weiß, ob ich meinen Weg so gefunden hätte, wenn uns unsere kleine Lycka nicht gefunden hätte und wir sie.