Hochsensibilität


Bevor Majvi in mein Leben getreten ist habe ich mir über das Thema Hochsensibilität bei Hunden ehrlich gesagt keinerlei Gedanken gemacht. Lycka, und auch unser Henry damals,  gehör(t)en nicht zu den sensibelsten Hunden. Man könnte ihnen eine gewisse "Coolness" zusprechen, mit allen vier Pfoten fest im Leben stehend und mit einem selbstbewussten Charakter ausgestattet. 

Ein hochsensibler Hund nimmt sehr verstärkt nicht nur seine Umwelt wahr, sondern auch die Emotionen, die von Menschen und Artgenossen ausgehen. So neigt Majvi sehr dazu die Emotionen ihrer Artgenossen zu spiegeln, weil sie sich von ihnen nicht abgrenzen kann. Bellt also ein Hund sie an, ist ihr erster Impuls darauf mit einem Bellen zu reagieren. Kommt  ein ängstlicher Hund auf sie zu, ist auch sie sofort verunsichert. 
Hochsensibilität beim Hund bedarf eine ebenso sensible Anleitung vom Besitzer. 

Das hört sich herausfordernd an und ganz ehrlich gesagt war es das für mich am Anfang auch. Ich konnte überhaupt nicht verstehen wie ein gut sozialisierter Welpe so skeptisch auf die Welt blicken kann. Es hat Wochen gedauert ehe ich verstanden habe, dass ich einen hochsensiblen Hund zu Hause hatte, einen Hund, mit speziellen Bedürfnissen und es hat weitere Wochen gedauert ehe ich damit umgehen konnte. Heute ist Majvi fast drei Jahre alt und ich kann sagen, dass wir an einem guten Punkt gelandet sind mit ihrer Hochsensibilität strukturiert durch den Alltag zu gehen. 

Meistens sind die hochsensiblen Vierbeiner sehr intelligente Geschöpfe und tatsächlich kann man auch im Umkehrschluss sagen, dass es oft die intelligenten Hunde sind, die zur Hochsensibilität neigen. 
Das hat den Vorteil, dass sie Trainingsansätze sehr gut annehmen und verstehen. Ein Nachteil ist es, dass sie schnell nach eigenen Lösungen suchen, sofern man ihnen keinen Weg aufzeigt. 

Aber was bedeutet es nun mit einem hochsensiblen Hund zusammen zu leben ? Wie sieht unser Alltag aus ? Als mir bewusst wurde, dass Majvi sensibler als viele andere Hunde auf ihre Umwelt reagiert, habe ich mir schon die Frage gestellt, ob wir ihren Bedürfnissen gerecht werden würden, denn immerhin ist unser Leben recht bunt, laut, teilweise auch stressig, hier gehen Kinder ein und aus, .... ich stellte mir die Frage, ob sie in unserer Familie glücklich werden könnte. 

Am Anfang unserer Reise nahm sie auf Spaziergängen jeden Menschen wahr und durchleuchtete ihn intensivst. So knurrte sie Menschen an, die nach Alkohol rochen, bellte Kinder an, die sich ihr zu distanzlos näherten und war zutiefst verunsichert, wenn Jemand eine Sonnenbrille trug und sie somit den Menschen nicht richtig "lesen" konnte. Inzwischen hat sich das sehr gebessert und sie hat gelernt abzuschalten, zu entspannen und  nicht alles zu analysieren, was aber nicht heißt, dass sie es nicht wahr nimmt. Sie hat lediglich gelernt damit umzugehen. 

Für mich bedeutet es ebenfalls mehr Entspannung auf unseren Spaziergängen, auch ich kann abschalten und einfach die Zeit in der Natur genießen. Ich weiß, würde wirklich Gefahr drohen, Majvi wüsste es vor mir und mit genau diesem Wissen fing ich an nicht nur das Negative in der Hochsensibilität zu sehen. Es hat auch ganz tolle Seiten einen so sensiblen Hund seinen Partner nennen zu dürfen. 

Majvi und ich sind auf einer ganz tiefen Ebene verbunden. Eine Ebene, die wir ohne ihre Hochsensibilität wohl nie erreicht hätten. Ich mag es, dass sie meine Emotionen wahr nimmt, dass sie sich regelmäßig mit mir "connecten" muss, dass sie aufmerksam an meiner Seite ist und sich rückversichert, wenn sie unsicher ist. 

Sie ist meine treueste Gefährtin geworden und ich würde sie für kein Geld der Welt eintauschen wollen. Wenn man einmal gelernt hat mit einem hochsensiblen Hund zu leben, man eine gute Basis miteinander geschaffen hat und es aufbaut, dass sich der Hund in Situationen, die ihm zu viel sind, an einem orientiert, dann lässt es sich sehr gut miteinander leben. 

In meinem Fall bin ich total glücklich und zufrieden eine Majvi UND eine Lycka zu haben. Sie ergänzen nicht nur unser Leben, sondern auch Ihres gegenseitig und das ist total ausgewogen schön. 

Es gibt das Sprichwort: "Man bekommt nicht den Hund, den man will, sondern den, den man braucht." 

In meinem Fall kann ich sagen: Ich habe Beides.