Mehrhundehaltung - mehr Hunde, mehr Glück ?
Eigentlich schon immer, oder zumindest seit dem ich Hunde besitze, war es mein Wunsch nicht nur einen Hund zu haben, sondern mindestens Zwei.
Woher genau dieser Wunsch kommt kann ich noch nicht einmal sagen, ich empfinde es als großes Glück für die Hunde einander zu haben, mit einem Weggefährten durch den menschlichen Alltag zu gehen, einen Spielkameraden zu haben, Jemanden, der die selbe Sprache spricht, auch wenn mir bewusst ist, dass der Hund uns Menschen als absolut vollwertiges Rudelmitglied akzeptiert und respektiert und ich immer noch die wichtigste Rolle im Leben meiner Hündinnen spiele, so fühlt es sich dennoch so richtig an sie im Garten miteinander spielen zu sehen, Majvi in neuen Situationen weniger unsicher, weil Lycka an ihrer Seite ist, oder die Beiden am Abend zufrieden nebeneinander liegend zu beobachten.
Doch ist Jeder Hund glücklich mit einem zweiten Hund ? Ich würde ganz klar "nein" sagen. Bei unserem ersten Rüden Henry haben wir immer auf den richtigen Moment gewartet einen zweiten Hund dazu zu holen und einmal wäre es auch fast soweit gewesen, unser Bauchgefühl entschied sich jedoch dagegen und wenige Wochen später wurde eine Herzschwäche bei ihm diagnostiziert und ich bin mir sicher, dass er mit einem quirligen Welpen überfordert gewesen wären.
Als wir Lycka bekamen war mir ziemlich schnell klar, dass wir irgendwann eine zweite Hündin dazu haben möchten. Lycka ist so sozial, wir waren uns sicher, dass sie sich über eine Partnerin freuen würde. Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für einen zweiten Hund ? Einige Hundetrainer sagen ganz klar, dass der erste Hund mindestens 4 Jahre, gerne aber 5 oder sogar 6 Jahre alt sein sollte. Nun, letztlich muss das Jeder für sich entscheiden, uns war es aber wichtig, dass Beide Hunde auch möglichst lange voneinander haben, so wollten wir nicht warten bis Lycka vielleicht schon ihre zweite Lebenshälfte erreicht hätte oder sich bereits in ihrer Rolle als Einzelhund so wohl fühlt, dass sie gar keinen Zweiten neben sich wünschen würde. Majvi kam also zu uns als Lycka 2,5 Jahre alt war. Rückblickend war das ein gutes Alter, hätte allerdings auch noch ein halbes Jahr warten können, um das Wesen von Lycka ein wenig zu festigen.
Majvi kam im Sommer zu uns, und genau so würde ich es wieder machen. Denn gerade am Anfang ist es sehr wichtig, dass der Ersthund seinen Raum hat, sich zurück ziehen kann, sich mit der neuen Situation vertraut machen kann. Wir haben daher viel Zeit im Garten verbracht. Natürlich funktioniert es ganz genauso auch in einer Wohnung ohne Garten, uns hat es aber viel erleichtert in der ersten Zeit.
Doch wie findet man eigentlich den richtigen Zweithund ? Auch hierzu habe ich schon viele Meinungen gehört, dass es total egal sei, die Hunde würden sich schon arrangieren, ich persönlich finde aber, dass man die Situation durchaus für Alle etwas leichter machen kann, indem man einen Zweithund aussucht, der nicht nur zu mir als Mensch passt, sondern mit seinen Charaktereigenschaften, Ansprüchen und dem was er sonst noch so mitbringt zum schon vorhandenen Hund passt.
Da Lycka weder kastriert noch sterilisiert ist, war von Anfang an klar, dass nur eine Hündin für uns in Frage kommen würde, und da Lycka selbst noch sehr jung war, sollte Diese gerne ein Welpe sein.
Als die wichtigsten Fakten also geklärt waren, stellten wir uns die Frage, was für eine Rasse zu Lycka passen könnte. Einen Cavalier, so sehr ich sie für ihr bezauberndes Wesen liebe, kam für uns nicht mehr in Frage. Ich wünschte mir eine Hündin, die etwas grösser werden,- und die etwas aktiver sein würde. Eine Rasse, die mit einer robusteren Gesundheit ausgestattet ist und auch gerne "ein bisschen Schwung in die Bude" bringt, die aber dennoch von ihren Bedürfnissen gut zu Lycka passen würde.
Und dann kam Majvi, unser Cockaliermädchen, wie auch schon Lycka haben wir Majvi in Dänemark gekauft, was ich Jedem empfehlen kann, der in der Nähe von Dänemark wohnt. Für uns wären alle Züchter in Deutschland viel zu Weit entfernt gewesen, so dass es sich absolut lohnt auch mal bei dänischen Nachbarn zu schauen.
Mit beiden Züchterinnen habe ich über Social Media noch Kontakt, was mich total freut.
Der Welpe ist gekauft, und nun ?
Mit Lycka als Ersthündin war alles total unkompliziert, sie ist weder territorial veranlagt, noch unsicher in neuen Situationen oder ähnliches. Sollten wir jemals einen dritten Hund bekommen, würde dieses mit Majvi nun ein wenig anders aussehen, denn Majvi liebt zwar generell Alles und Jeden, ist aber in den ersten Minuten sehr unsicher, sehr skeptisch, sehr reserviert und vor allen Dingen, rassetypisch sehr territorial veranlagt. Da wäre es absolut wichtig und nötig die Hunde auf neutralen Boden zu vergesellschaften und potentielle Stressfaktoren, wie z.B. Futter oder andere Ressourcen erst einmal komplett außen vor zu lassen.
Ist das erst einmal geklärt gebt euren Ersthunden Zeit. Zeit sich an die neue Situation zu gewöhnen, Zeit sich an den neuen Mitbewohner zu gewöhnen. Lycka, so sozial wie sie ist, hatte am Anfang gar keine Lust auf eine Baby-Majvi, die kuschelnd auf ihr lag, immer wieder hat sie den Platz verlassen wo sie zuvor gelegen hat sobald Majvi sich zu ihr legen wollte. Man sollte unbedingt darauf achten, dass diese Grenzen respektiert werden.
Es hat nur wenige Tage gedauert und Lycka hat sich mit der neuen Situation arrangiert und begonnen sich in der Rolle der "grossen Schwester" sichtlich wohl zu fühlen.
Bis sich jedoch alles einpendelt, dauert es Monate, und wenn man glaubt alles ist nun gut, dann kommt der Welpe in die Pubertät und evtl. hinterfragt dann auch der Ersthund nochmal seine komplette Erziehung. Das muss nicht sein, sollte aber auf jeden Fall bedacht werden. So schön es auch ist zwei Hunde oder sogar mehr zu haben, so viel Arbeit, Zeit und Geld ist es auch. Letzteres habe ich bislang noch gar nicht angesprochen, aber neben den Anschaffungskosten kommen natürlich auch alle laufenden Kosten von nun an im Doppelpack: Tierarzt, Pflege, Futter, Versicherungen, Steuer, .. Mal von der monatlichen Boxenmiete unseres Ponys abgesehen, kosten mich die zwei Hunde definitiv mehr als unser Pferd.
Seit über 5 Jahren haben wir nun Lycka und seit fast drei Jahren macht Majvi unsere Familie vorerst komplett (Dritthund, Zweitpony niemals ausgeschlossen) ;-)
Und auch wenn es zahlreiche Tiefen gab, viele Momente des Zweifelns, der Ratlosigkeit und des Hinterfragens ob das alles so richtig war, heute kann ich mit der aller grössten Überzeugung sagen: "Ja ! Es fühlt sich absolut richtig an und war jede einzelne Mühe wert."
Und tatsächlich glaube ich auch, dass sowohl Lycka als auch Majvi ein Leben miteinander immer bevorzugen würden und dieser Gedanke macht mich ganz besonders glücklich.