(Tabu)Thema Qualzucht Cavalier King Charles Spaniel
Lange habe ich dieses Thema vor mir her geschoben, habe mir überlegt, wie ich es anfange über ein so wichtiges und zugleich sehr kontroverse Thema wie Dieses zu schreiben. Zumal ich auch nicht über Qualzucht im Allgemeinen schreiben möchte, da dieses tatsächlich den Rahmen sprengen würde, sondern mich hier aus persönlichen Gründen einzig der Rasse Cavalier King Charles Spaniel widmen möchte. Vielleicht interessiert es ja den ein oder Anderen, dann freue ich mich, wenn du weiter liest.
Immer wieder merke ich, dass der Cavalier King Charles Spaniel (CKCS) in der öffentlichen Diskussion als Qualzucht pauschalisiert wird. Jedoch wird diese Einstufung der Rasse und den vielen verantwortungsvollen Züchter*innen nicht gerecht und greift fachlich zu kurz.
Richtig ist, dass der CKCS einige Erbkrankheiten mitbringt. Insbesondere das Herz ist davon betroffen, aber auch neurologische Erkrankungen können auftreten. Hierbei ist jedoch zu beachten, dass diese Erkrankungen keineswegs ein Zuchtziel sind, sondern das Ergebnis eines historisch gewachsenen Problems.
Es gibt zahlreiche Zuchtverbände, die seit Jahren mit umfangreichen Gesundheitsprogrammen, verpflichtenden Untersuchungen und gezielter Zuchtlenkung daran arbeiten diese Risiken zu reduzieren.
Immer wieder lese ich, dass der CKCS in Norwegen aus der Zucht genommen wurde, weil die Rasse zu krank gezüchtet sei. Dieses ist aber nur die halbe Wahrheit und es macht mich traurig, dass der Mensch nicht daran interessiert ist den eigentlichen Grund des beschlossenen Zuchtverbots zu vestehen. Denn eine Rasse wie den CKCS aussterben zu lassen, anstatt ihn gesunderhaltend weiter zu züchten erscheint mir nicht als Allheilmittel, denn dann gäbe es in der Zukunft kaum noch Rassehunde.
Die Zucht des CKCS wurde in Norwegen verboten, nachdem diverse norwegische Züchter sich geweigert hatten entsprechende Gentest und andere notwendige tierärztliche Untersuchungen bei ihren Zuchttieren durchführen zu lassen.
Mehrmals wurde ihnen eine Frist gestellt. Wären sei verantwortlich mit ihrer Aufgabe als Züchter*innen umgegangen, wäre ihnen das Zuchtverbot nicht erteilt worden.
Das sollte man wissen und es liegt mir am Herzen dieses einmal Richtig zu stellen.
Allerdings soll es keineswegs ein Zuspruch sein sich einen CKCS vom Züchter zu holen. Lycka ist unsere zweite CKCS Hündin und tatsächllich kann ich nicht sagen, ob es noch einmal diese Rasse wird. Nachdem unser erster Rüde an der, für die Rasse typische, Herzerkrankung mit nur 9 Jahren gestorben war, haben wir uns sehr intensiv auf die Suche nach einer wirklich guten Zucht gemacht und sind bei einer dänischen Züchterin gelandet, die alles daran setzt gesunde Hunde, verantwortungvoll zu züchten. Unsere Lycka ist nun über 6 Jahre alt, erfreut sich guter Gesundheit und ist der liebenswürdigste Hund, den ich je kennengelernt habe. Sollte sie das Glück haben lange, gesund alt zu werden, spricht für mich nichts dagegen auch ein weiteres Mal in die dänische Züchterin zu vertrauen, zumal wir nie aufgehört haben Kontakt zueinander zu haben. Und sehr sicher bin ich mir, dass es in anderen Ländern ebenfalls solch verantwortungsvolle Züchter*innen gibt, nur sollte man sich wirklich die Mühe machen, diese auch zu finden.
Leider habe ich das Gefühl, dass es heutzutage schon einem Verbrechen gleicht, wenn man sich keinen Hund aus dem Tierschutz holt, und wenn es dann noch eine Rasse ist, die unter dem Begriff "Qualzucht" läuft, kann man sich auch gleich sein eigenes Grab schaufeln, in das man nur zu gerne auf Instagram, Facebook, TikTok und Co. geworfen wird. Dabei habe ich überhaupt nichts gegen Tierschutzhunde, Mischlinge, etc. tatsächlich lebe ich nach dem Motto: "Leben und leben lassen"... wer bin ich, dass ich Jemanden erzähle, dass der gerettete Herdenschutzhund aus Rumänien sich evtl nicht ganz so gut in einer 2 Zimmer Wohnung in Berlin Mitte macht ? Aber leider sind es dann eben doch immer wieder die Menschen einer bestimmten Gruppe, die mit ihrem Halbwissen sehr fragwürdige Thesen im Internet verbreiten und das ist es was mich wütend und traurig zugleich macht.
Fakt ist, dass der Cavalier King Charles Spaniel ein freundlicher, aktiver, lebensfroher Begleithund ist, der bei verantwortungsvoller Zucht und guter Haltung eine hohe Lebensqualität haben kann. Ziel muss es sein, die Gesundheit der Rasse weiter zu verbessern und sie nicht pauschal zu stigmatisieren. Welchen Entschluss man dabei für sich persönlich daraus zieht bleibt Jedem selbst überlassen.
Nur sollte auch Jedem klar sein, dass man nicht einen CKCS für 800 Euro, ohne Ahnentafel und genetische Tests, kaufen und dann davon ausgehen kann, dass dieser die nächsten 15 Jahre mit einem gesund durchs Leben geht. Die Verantwortung beginnt bei der Auswahl einer wirklich sehr guten Zuchtstätte, oder aber darin "Nein" zu dieser Rasse zu sagen, weil die Zweifel zu groß sind.
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